Lade Bilder...

Zauberhaftes Rokoko

Der Fasanengarten zu Moritzburg

In der Regierungszeit Augusts II., genannt der Starke (1670 – 1733), setzten tiefgreifende landschaftliche und bauliche Veränderungen rund um Moritzburg ein. Dem Umbau des Renaissance-Jagdhauses zu einem imposanten viertürmigen Schloss folgte schon bald die Umgestaltung der benachbarten Teiche.

1728 wurde am Bärnsdorfer Großteich eine einfache Fasanerie angelegt, die exakt auf der Mittelachse eines neunstrahligen Schneisenfächers, der ausgehend

vom Balkon des Speisesaals in östlicher Richtung geschlagen wurde, positioniert war.

Das Gelände, auf einer Hügelkuppe gelegen, bot geradezu ideale natürliche Bedingungen zur Aufzucht der begehrten Wildvögel. Diese erste Anlage umfasste ein Wohnhaus für den Fasanenwärter, zwei Gartenhäuser mit Remisen für Fasane und Rebhühner, ein älteres Bauernhaus samt Rinderstall und Scheune sowie drei Brunnen.

Im Jahr 1738 errichtete Oberlandbaumeister Johann Christoph Knöffel (1686 – 1752) auf Weisung Augusts III. am gleichen Ort einen bescheidenen Vorgängerbau

des späteren Fasanenschlösschens. In einem 1744 publizierten Reiselexikon wird bereits von einer " vortrefflichen Fasanerie, in welcher sich ordentlich an 1200 Stück Fasane befinden" berichtet.

Vom Balkon des Schlosses Moritzburg

...ist Sie bereits zu sehen - die Idylle des Fasanengartens am Bärnsdorfer Grossteich. Sie wird wesentlich geprägt von dem Fasanenschlösschen (Neuem Palais), der Sichtachse zum Schloss Moritzburg mit Venusbrunnen und Kanal, dem Hafen mit Mole und Leuchtturm, sowie dem Fasaneriegehöft mit Marcolinihaus und Großem Stall.

Camillo Graf Marcolini gilt als Schöpfer dieses Ensembles, dessen Anlagen heute noch erhalten sind. Das Schloss Moritzburg stellt in seiner Harmonie von Architektur, Park- und Teichlandschaft ein Zeichen absolutistischer Machtverhältnisse dar.

Im Gegensatz hierzu steht der Wiederaufbau des Fasanengartens nach dem Siebenjährigen Krieg. Das geschaffene Ensemble wird zum Ausdruck einer inzwischen verbürgerlichten fürstlichen Lebensweise, die vom weiten in die Enge, von der Repräsentation ins Intime strebt. Es ist ebenso Ausdruck der Flucht vor den gesellschaftlichen Widersprüchen in eine verspielt-maritime Scheinwelt. Zwei völlig verschiedene Lebensanschauungen, widergespiegelt in der Architektur, verbunden durch Sichtachsen, bilden heute den Reiz des Gesamtkunstwerkes Moritzburg. Für den sächsischen Kurfürsten und König Friedrich August den Gerechten, ein Urenkel des Augusts des Starken, zählte das Ensemble des am Grossteich gelegenen Fasanengartens mit zu den Lieblingsaufenthalten. Lassen Sie uns gemeinsam virtuell und natürlich in Moritzburg herausfinden, warum das so war.

Geschichte der Fasane

Souvenir einer Reise?

Der Sage nach soll der Fasan vom legendären Helden Jason und seinen Argonauten bei der Suche nach dem Goldenen Vlies in Mittelasien entdeckt und nach Griechenland gebracht worden sein. Fasan, vom griechischen "Phasianös" abgeleitet, bedeutet: "Der (Vogel) vom Phasis" – so lautete der antike Name des heutigen Flusses Rion, der in der Landschaft Colchis ins Schwarze Meer mündet. Bereits die Römer züchteten

Fasane, ebenso wie Pfauen, als reine Ziervögel wegen ihres eindrucksvollen bunt schimmernden Gefieders. Von Südeuropa ausgewildert, verbreiteten sie sich im Laufe der Zeit über den ganzen Kontinent. Das Männchen erreicht bis zu 89 cm Länge und zeichnet sich durch die besondere Farbenprächtigkeit seines Gefieders aus, während das Weibchen deutlich kleiner und schlicht gelbbraun getönt ist – im Gegensatz zum Hahn - eine vorzügliche Schutzfärbung. Fasane leben polygam, d.h. auf ein männliches Tier kommen fünf bis sechs Hennen. Beide Geschlechter können ein natürliches Alter von etwa 15 Jahren erreichen. Die in Deutschland häufigste Art ist der Mongolische Ringfasan, gefolgt vom Chinesischen Ringfasan und dem ringlosen Kupferfasan.

Fasane sind hauptsächlich Bewohner weiter Feldfluren, unterbrochen von Gehölzen oder Wasserläufen. Als Aufenthalt bevorzugen sie gedecktes Gelände wie Gebüsche, Gehölze und Waldränder, die an Wiesen und Gewässer anstoßen und meiden ausgedehnte unbewachsene Freiflächen.

Der Fasan

...ist ein ausgesprochenes Tagtier. Er bewegt sich hauptsächlich schnell laufend am Boden fort. Von der Natur mit einem feinen Gehör und einem hoch entwickelten Sehvermögen ausgerüstet, ist er stets sehr vorsichtig und aufmerksam. Bei Gefahr schmiegt er sich flach an den Erdboden - nur in unmittelbarer Bedrängnis erhebt er sich in die Luft. Seine verhältnismäßig kleinen Flügel ermöglichen zwar einen raschen Flug, jedoch kaum die Bewältigung längerer Distanzen. Die scheuen und wachsamen Vögel "baumen" jeden Abend in luftiger Höhe auf. Als Schlafplatz wählen sie bevorzugt

Nadelbäume, die ihnen optimalen Schutz gegen Kälte, Wind und Raubwild bieten. Selbst im Schlaf sind sie hellhörig und wachen schon bei leisen nächtlichen Geräuschen auf. Fasane sind heute neben der Wildente das meistverbreitete Wildgeflügel und als Vertilger von schädlichen Insekten und Unkrautsämereien große Nützlinge unseres Waldes. Sie sind weltweit ein beliebtes und in der internationalen Küche hoch geschätztes Jagdwild. Ihr Fleisch ist dunkelrot und hat einen feinen milden Wildgeschmack.

Fasanenzucht unter Graf Marcoline

"Fagiano all'italiano"

Aus finanziellen Gründen wurde 1769 die schadhafte und vernachlässigte Anlage von Kurfürst Friedrich August III. an Camillo Graf Marcolini (1739 – 1814) verpachtet. Marcolini entstammte einer Patrizierfamilie aus der italienischen Hafenstadt Fano und hatte sich am sächsischen Hof vom Silberpagen zum Kämmerer

emporgearbeitet. Als einem der engsten Vertrauten des jugendlichen Kurfürsten war ihm die alte Fasanerie wahrscheinlich unentgeltlich übertragen worden – jedoch zu der Bedingung, das ruinöse Anwesen auf eigenen Kosten wiederherzustellen und in einem „für das Churfürstliche Interesse gar vorteilhaften Maße“ einzurichten.

Der neue Besitzer nahm seine Aufgabe ernst und baute binnen kurzem eine funktionstüchtige Fasanenhaltung auf – unter seiner Oberaufsicht erstand nicht nur der Fasanengarten neu aus den Resten der zerstörten Anlage, sondern als Point de Vue auch ein als Neues Palais oder Jagdgebäude bezeichnetes zweigeschossiges Lusthaus im heiteren chinoisen Rokokostil — das heutige Fasanenschlösschen. Dem Fasanengarten waren einige Wirtschaftsgebäude zur Unterhaltung der Zucht beigefügt, während sich Marcolini ein eigenes, wenn auch bescheideneres Wohnhaus in unmittelbarer Nä he seines Landesherren errichten ließ. Diese im Moritzburger Fasanengarten beispielhaft vollzogene enge Verquickung von höfischen und landwirtschaftlichen Bereichen ist charakteristisch für das späte Rokoko.

Chinoise Elemente zeigte

...auch das sog. "Garnhaus", zentral auf der Hauptansichtsachse dem Fasanenschlösschen vorgelagert, das als Voliere der Haltung verschiedener Gattungen von Edelfasanen diente. Diese kostbaren Tiere mit ihrem schillernden Federkleid repräsentierten einen hohen materiellen Wert und dienten dem zoologisch interessierten Kurfürsten als lebende Schau- und Studienobjekte, während weniger exklusive Arten ihr Leben in der Hofküche beschlossen und als Braten schon bald die kurfürstliche Tafel zierten. Ausgehend vom Ankleidezimmer Friedrich Augusts III. führte eine

Treppe, deren Zugang später vermauert wurde, direkt hinüber ins Garnhaus. Dessen hölzernes Lattenwerk (franz. treillage) widerstand dem Zahn der Zeit allerdings nur etwa ein Jahrhundert, bevor es um 1882 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden musste. Ungeachtet dieser Eingriffe bietet der Fasanengarten am Bärnsdorfer Großteich bis heute ein fast unverändertes Bild des ausgehenden 18. Jahrhunderts – er zählt zu den wenigen noch erhaltenen Ensemble dieser Art in Deutschland.

Das Fasanenschlösschen

Ein Kleinod im chinoisen Stil

Das Fasanenschlösschen zu Moritzburg, in der frühen Regierungszeit Friedrich August III. (1750 – 1827, ab 1806 als Friedrich August 1. auch König von Sachsen) erbaut, war als typische "Maison de plaisance" gedacht für einen zeitlich begrenzten Aufenthalt der herrschaftlichen Familie während der Sommermonate. Am Bärnsdorfer Großteich ließ; sich der junge Kurfürst,

etwas entfernt vom repräsentativen Jagdschloss seines Urgroßvaters, Augusts des Starken, aber doch durch Sichtachsen mit diesem optisch verbunden, ein mit raffiniertem Geschmack ausgestattetes Refugium erbauen.

Der Vorgängerbau, die alte, von Johann Christoph Knöffel errichtetet barocke Fasanerie wurde bis auf ein Stockwerk abgetragen, um an ihrer Stelle das neue Gebäude im chinoisen Stil zu errichten. Als Architekt gilt der Kondukteur am Oberbauamt, Johann Daniel Schade (1730 – 1798). Über die unter Marcolini geschaffenen Anlagen bemerkte die Kurfürstenmutter Maria Antonia 1772 in einem Brief:

"...aber fürchten Sie nicht, dass Moritzburg im Vergleich verlieren wird, dank der Bemühungen des Conte Marcolini ist es ein Juwel geworden, das seinesgleichen keineswegs finden wird."

Das aufgrund seiner geringen Ausmaße (13,4 m im Quadrat) geradezu privat erscheinende, nur zweistöckige Gebäude war mit seiner exponierten Lage auf einer Hügelkuppe Mittelpunkt einer einzigartigen, vom Geist des späten Rokoko geformten Kulturlandschaft. Eine weit in den Großteich hinausreichende Mole mit Miniaturleuchtturm lud die Besucher während der schönen Jahreszeit zum Flanieren ein, das nahe Wasser lockte zu erfrischenden

Fahrten mit einer der Prachtgondeln, während eine zweimastige, reich mit Kanonen bestückte Fregatte aufregendere Unterhaltung in Form spielerischer Seegefechte bot. In dieser landschaftlich überaus reizvollen Lage konnte sich der Kurfürst in vollkommen ländlicher Abgeschiedenheit erholen und seinen naturwissenschaftlichen Studien widmen, ohne ganz auf den gewohnten Komfort verzichten zu müssen.

Der Aufenthalt auf dem Lande bedeutete für den Aristokraten des ausgehenden 18. Jahrhunderts vor allem unbeschwerten Müßiggang im Kreise einiger Vertrauter, ein Tisch, reich mit den Gaben der Natur gedeckt, Mußestunden für die Jagd, Musik oder private Liebhabereien und die Erholung von der strengen Etikette am Hofe, welche zunehmend als Zwang empfunden wurde.

Entstehung der Fasanenzucht

Der Überlieferung nach hatte um 1500 Kurfürst Friedrich der Weise (1488 – 1525) zu Jagdzwecken zweihundert Fasane in Sachsen aussetzen lassen, die schnell heimisch wurden und sich zahlreich vermehrten. Der Fasan (lat. phasianus, franz. faisan) war im 18. Jahrhundert in allen europäischen Wäldern, vor allem aber in Böhmen, wild anzutreffen, wurde jedoch als "ein sehr schönes und köstliches Vogelwildbret" gleichzeitig in eigenen Fasanerien (franz. faisanderies) zur Befriedigung der Jagd- und Gaumenlust großer Herren gehalten und vermehrt. Die Aufsicht besorgte ein eigens bestallter erfahrener Fasanenmeister oder -wärter. Diese Ausübung dieses Handwerkes war sehr begehrt, es bedarf einiger Erfahrung und Kenntnisse mit dem Umgang dieser edlen Tiere.

In einem der umfassendsten Nachschlagewerke des ausgehenden 18. Jahrhunderts, Johann Georg Krünitz´ "Oeconomischer Encyclopädie", ist über die Lebensweise der scheuen Wildvögel zu erfahren:

"Die Fasanen pflegen sich gern auf den Wiesen, Brüchen, Auen und Feldsträuchern von Weiden, auch im alten Grase, um sich darin zu verbergen, aufzuhalten, wo sie die Weizenfelder, Anger, Kohlgärten und Weinberge, im gleichen Wachholdersträucher,

Brombeeren und Mispeln, welche sie sonderlich gern zu sich nehmen, wie auch Ameisenhaufen, Kröten, Schnecken und Würmer zu ihrer Nahrung haben."

Ein überaus Wissenswertes Buch über einer Anlage für die Fasanenzucht ist vom Damaligen Fasanenmeister Hrlawenski in Moritzburg geschrieben wurden. Natürlich wohnte und Arbeitet er hier in der Moritzburger Anlage. In diesem kleinen aber hoch geschätzten Buch sind Gebäude Volieren, Preisberechnungen vorhanden

Die erfolgreiche Zucht

...der begehrten Vögel in einem Fasanengarten stellte hohe Ansprüche an dessen Ausstattung. Sämtliche im natürlichen Lebensraum der Tiere – den heimischen Wäldern, Wiesen und Feldern – gegebenen idealen Lebensbedingungen mussten im Zwinger einer Fasanerie künstlich nachgeahmt werden. Fasane benötigten vier Komponenten, um sich wirklich wohl zu fühlen und erfolgreich zu brüten: die sogenannten vier "W" diese sind hier nunmehr mal näher beschrieben.

Laub- und Buschhölzer wie Eichen, Buchen, Birken, Erlen und Weiden, vermischt mit wenigen Kiefern, Fichten und Tannen, dazu Büsche, die Beeren tragen sowie verschiedene Obstbäume, "denn der Fasan tritt des Abends zu Baume, & bleibt nicht gern auf dem Boden" (Aufbaumen) Wiesen, die ungemäht bleiben sollten, "weil die Fasanen darin gern brüten" Ackerflächen, wo sie "ihr völliges Geäß" haben Wasser, in Form von Bächen, Flüssen oder Quellen, denn "sie halten sich gern an den Ufern, wo sie reines Wasser, wie auch groben Sand, Schnecken und allerhand Gewürme finden".

Fasanenjagd am sächsischen Hof

"... eine der angenehmsten Belustigungen und Zeitvertreibe für große Herren"

Im Sächsischen Hof- und Staatskalender, der stets auch über Vorgänge am Hofe und in der Stadt berichtete, konnte der geneigte zeitgenössische Leser des Jahres 1738 rückblickend erfahren:

"Den 7. Januarii 1737 divertirten (zerstreuten) Sich Ihro Königl. Majestät in Begleitung des Päbstl. Nuntii, des Rußisch­ Kaiserl. Gevollmächtigten Herrn Ministers, derer vornehmsten Poln. und Sächs. Procerum im grossen Garten vor dem Pirnischen Thore mit einem Fasanenschiessen, worbey an die 400. Stück gefället worden."

Ähnliches geschah auch an anderen Februartagen des Jahres. Diese bemerkenswerten Abschusszahlen waren jedoch nicht auf eine besonders erfolgreiche Brut der Wildvögel in diesem Gebiet zurückzuführen, sondern hatten ganz andere Gründe:

Die in menschlicher Obhut herangezogenen Fasane wurden am festgesetzten Tag in einem eng begrenzten Gebiet des Großen Gartens ausgesetzt, wo sie den fürstlichen Jägern vor die Flinte getrieben und von diesen mühelos erlegt werden konnten. Dieses

Divertissement zählte neben der Jagd auf Rotwild und Auerhähne zu den Lieblingsvergnügungen König Augusts III. (1696 – 1763). Gelegentlich kamen auch Fasanenhunde zum Einsatz – speziell abgerichtete Tiere – die ihre Beute im Wald aufspürten und verbellten, so dass der Jäger mühelos zu seinem Schuss kam. Eine andere Methode war es, Fasane bei Nacht auf ihrem Schlafbaum zu erlegen, in ausgelegten Hals- oder Fußschlingen zu fangen oder die scheuen, lärmempfindlichen Vögel in aufgestellte Netze zu treiben. Schließlich konnten Fasane mit zahmen Falken oder Habichten zur Strecke gebracht werden – die sog. Fasanenbeize.

Während andernorts Fasane wegen ihres delikaten Fleisches zur Hohen Jagd gerechnet wurden, waren sie in Sachsen sogar noch von dieser ausgeschlossen und allein ein Privileg des Landesherrn, "daher, ohne besondere landesherrliche Concession der Uebung der Fasanenjagd, niemand, wenn er auch gleich mit der Hohen- Mittel- oder Niederjagd sonst beliehen ist, sich des Fangens oder Schießens der Fasanen unterfangen darf." Eine 1741 erlassene Jagdverordnung ("Churfürstlich Sächsisches Mandat wegen Aussetz- Heg- und Schieß- auch Fangung der Fasanen") bestimmte "20 bis 25 Rthlr. (Reichstaler) für jeden Fasan, und der Jäger, so sich dazu gebrauchen läßt, wird mit Festungsbau bestraft".